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Jack Widows Waldspaziergang: Ein Action-Märchen für große Jungs
Im achten Band der Jack-Widow-Reihe, „Fire Watch“, serviert uns Scott Blade einmal mehr das bewährte Menü: ein einsamer Wolf, eine Frau in Nöten und eine gehörige Portion Selbstjustiz. Obwohl die Prämisse eines Thrillers in der Abgeschiedenheit der Wälder durchaus reizvoll ist, entpuppt sich der Roman als einer der schwächeren der Serie, der vor allem durch seine vorhersehbare Männlichkeitsfantasie besticht.
Auf der einen Seite haben wir Molly DeGorne, eine zierliche Blondine mit blauem Auge, die ihr brennendes Haus mit einer schweren Reisetasche verlässt und ihren darin befindlichen Gatten, einen DEA-Agenten, mit bemerkenswerter Kaltblütigkeit ebenfalls zurücklässt. Ihr Ziel: die Anonymität eines Feuerwachturms in den Wäldern. Auf der anderen Seite irrt, wie es der Zufall oder besser: das Drehbuch will, der titelgebende Jack Widow durch ebenjene Wildnis. Selbstverständlich hat er kurz zuvor – quasi im Vorbeigehen – ein 16-jähriges Mädchen aus den Fängen eines Drogenhändlers befreit. Nun, ohne Mitfahrgelegenheit, aber mit unerschütterlichem Heldenmut, stolpert er zielsicher in die nächste Gelegenheit, die Welt zu retten.
Und siehe da, die Forstverwaltung sucht händeringend einen Feuerwächter. Wer wäre für diesen Job besser geeignet als ein heimatloser Ex-Militär, der zufällig des Weges kommt? Widow bekommt den Job und wird zum Turmnachbarn von – man ahnt es – Molly DeGorne. Die Kommunikation erfolgt über Funk, die Blicke treffen sich nicht nur durchs Fernglas. Eine Romanze für den modernen Eremiten, unterbrochen nur durch die aufziehende Gefahr.
Nachdem die Idylle ausgiebig zelebriert wurde, bricht auf den letzten 20 Seiten erwartungsgemäß die Hölle los. Jack Widow tut, was ein Jack Widow eben tun muss: Er entfesselt die ihm innewohnende, testosterongesteuerte Urgewalt und tritt einer Übermacht von Bösewichten gewaltig in den Allerwertesten. Das ist laut, das ist brachial, und es ist exakt das, was die Zielgruppe erwartet.
„Fire Watch“ ist, man kann es nicht anders sagen, ein literarisches Trostpflaster für all jene, die von Action, unkompliziertem Heldentum und archaischen Gewaltfantasien träumen. Wer die anderen Bücher der Reihe mochte, wird auch diesen Band lieben. Allen anderen sei gesagt: Träumen ist ja erlaubt.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am 4. Februar 2026