```

Buchkritik -- Don Winslow -- The Final Score

Umschlagfoto, Buchkritik, Don Winslow, The Final Score, InKulturA Der letzte Vorhang: Don Winslows meisterhafter Abgesang

Wenn ein Meister seines Fachs die Bühne verlässt, tut er es selten leise. Mit „The Final Score“ legt Don Winslow, eine Koryphäe der modernen Kriminalliteratur, eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten vor, die nicht nur als fulminanter Abschluss seiner Karriere dienen, sondern auch als eindrucksvolle Demonstration seiner literarischen Bandbreite. Eingeleitet von einem fesselnden Vorwort des Krimiautors Reed Farrel Coleman, ist dieses Buch ein Versprechen – und es hält jedes einzelne Wort.

Winslows Meisterschaft zeigt sich in seiner bemerkenswerten Vielseitigkeit. Jede der sechs Geschichten ist ein Juwel, das ein anderes Facette des kriminellen Lebens beleuchtet. In der Titelgeschichte „The Final Score“ begleiten wir einen Berufsverbrecher bei seinem letzten, waghalsigen Coup – ein Akt der Liebe und Verzweiflung. „Die Sonntagsliste“ hingegen ist eine charmante, fast nostalgische Erzählung über einen cleveren Teenager, der die Prohibition in Rhode Island zu seinem Vorteil nutzt. In „True Story“ entfaltet sich ein brillantes, dialoglastiges Kammerspiel, in dem Mafiosi bei einem Kaffee ihre haarsträubenden Legenden austauschen. Mit „Lunch Break“ kehrt der sympathische Privatdetektiv Boone Daniels zurück, während „Kollisionen“ ein emotionaler Tiefschlag ist, der zeigt, wie schnell ein Leben aus den Fugen geraten kann.

Was diese Sammlung so herausragend macht, ist die ökonomische Präzision, mit der Winslow seine Welten erschafft. Kein Wort ist überflüssig. Auf wenigen Seiten entstehen Charaktere von verblüffender Realität und Tiefe, die in Situationen geraten, die sich roh, angespannt und schmerzlich menschlich anfühlen. Winslow gelingt dabei das Kunststück, selbst in den brutalsten Momenten einen subtilen Humor einzuweben, der den Leser schmunzeln lässt, während er den Atem anhält.

Sollte dies tatsächlich Winslows letzter Vorhang sein, so ist es ein Abgang auf dem Höhepunkt seines Schaffens. „The Final Score“ ist mehr als nur eine Sammlung von Kriminalgeschichten – es ist das Vermächtnis eines Autors, der das Genre geprägt hat wie kaum ein anderer. Ein fulminantes Finale, das die Hoffnung nährt, es möge doch nur eine Zugabe sein.




Meine Bewertung:Bewertung

Veröffentlicht am 10. Februar 2026