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Buchkritik -- Stuart MacBride -- Das Blut der Sünder

Umschlagfoto, Buchkritik Stuart MacBride, Das Blut der Sünder, InKulturA Tartan Noir mit scharfer Zunge

Stuart MacBride ist ein Meister des sogenannten Tartan Noir, jener typisch schottischen Spielart des Kriminalromans, die düsterste Abgründe mit trockenem, oft bitterem Humor verbindet. Mit „Das Blut der Sünder" liefert er ein weiteres glänzendes Exemplar seines unverwechselbaren Handwerks ab.

Im Mittelpunkt steht DC Angus MacVicar, der seinen ersten Tag bei der Mordkommission von Oldcastle ausgerechnet mitten in „Operation Telegram" antritt, einem der schockierendsten Fälle, mit denen die Einheit je konfrontiert wurde. Unter der Leitung von DCI Monroe jagt das Team den sogenannten „Fortnight Killer", einen sadistischen Täter, der im Zwei-Wochen-Rhythmus Paare ins Visier nimmt: eines der Opfer wird brutal am Tatort ermordet, das andere verschwindet spurlos. Als wäre das nicht genug, hinterlässt der Killer stets eine abgründige Botschaft auf der Leiche, eine makabre Visitenkarte, die das Ermittlerteam gleichermaßen herausfordert und erschaudern lässt.

MacVicars Hoffnung, sich an vorderster Front der Ermittlungen zu bewähren, wird rasch enttäuscht. Stattdessen wird er dem FBI-Forensikpsychologen Dr. Jonathan Fife zugeteilt, einem Mann, der so unverschämt, beleidigend und selbstverliebt auftritt, dass er beim schottischen Team von Beginn an auf erbitterten Widerstand stößt. Was ihm an Körpergröße fehlt, macht er mit einer schier unerschöpflichen Klappe wett. Ob er trotz alledem etwas Hilfreiches beizutragen hat, ist zunächst fraglich, und genau diese Frage treibt die Handlung mit wachsender Dringlichkeit voran. Denn die Zeit drängt: Der nächste Mord steht in zwei Tagen an.

Die eigentliche Stärke des Romans liegt in seiner Figurenkonstellation und den funkelnden Dialogen. MacBride zeichnet seine Charaktere mit einer Lebendigkeit und Plastizität, die ihresgleichen sucht, jede Figur trägt einen treffend gewählten Spitznamen, jede hat eine Geschichte, die über die bloße Funktion im Plot hinausgeht. Besonders Dr. Fife entpuppt sich als weit vielschichtigere Figur, als sein erster Auftritt vermuten lässt. Die Wortgefechte zwischen ihm und dem Polizeiteam sind von einer kreativen Farbigkeit, die den Leser abwechselnd zum Lachen, Stöhnen und Schmunzeln bringt. MacBrides schräger Humor wirkt dabei wie ein Lichtblick inmitten einer Handlung, die mitunter in blutige Gefilde abdriftet, und gerade dieser Kontrast ist sein unverwechselbares Markenzeichen.

„Das Blut der Sünder" ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Geistesblitze und Durchbrüche wechseln sich mit unerwarteten Wendungen und atemberaubenden Momenten ab. Trotz gelegentlicher Längen ist die Handlung insgesamt rasant und fesselnd. Das spannungsgeladene Finale und ein vielversprechendes Schlusskapitel machen Lust auf mehr. Ein außerordentlich lesenswerter Thriller, der beweist, dass MacBride nach wie vor zu den Besten seines Fachs gehört.




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Veröffentlicht am 6. April 2026